Investieren lernen
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2.5.2022

Wann sollte ich mit dem Investieren beginnen?

Lohnt sich ein früher Einstieg an der Börse? Lass uns eines vorwegnehmen - der beste Zeitpunkt zum Investieren, war gestern. Warum, das wirst du im Beitrag lernen. Verschiedene Studien und Umfragen zeigen, dass immer mehr junge Menschen den Weg an die Börse suchen. Interesse für Finanzthemen auf Social Media. Dort wird häufig vom Zinseszinseffekt gesprochen, den der womöglich berühmteste Physiker aller Zeiten - Albert Einstein - (Gerüchten zufolge) als das achte Weltwunder taufte. Der Effekt gilt als Hauptargument von Befürwortern des frühen Investierens. In Anbetracht des stetig sinkenden Rentenniveaus ist das Thema gerade heute von höchster Relevanz. Im nachfolgenden Artikel zeigen wir dir, warum sich ein frühzeitiger Start mit dem Vermögensaufbau lohnen kann.

Carlos Link-Arad

Der Zinseszinseffekt kommt erst spät zum Ausdruck

Fragst du einen Mathematiker, ob sich der Vermögensaufbau bereits zu Studienzeiten lohnt, wirst du wahrscheinlich mit einem Vortrag zum Zinseszinseffekt konfrontiert werden. Der Zinseszinseffekt bezeichnet das exponentielle Wachstum deines Vermögens. Das Wachstum entsteht dadurch, dass die Rendite deiner Investments selbst auch eine Rendite abwirft. Hier einmal ein kleines Zahlenbeispiel:

Seit 1970 ist der globale Aktienindex - der MSCI-World - um 7,4 Prozent pro Jahr gestiegen. Stell dir einmal vor, du hättest damals 1.000 Euro investiert. Heute würde dein Depot ein Guthaben von 40.947 Euro anzeigen, sobald du dich einloggst. Du hast in der Zeit keine Zuzahlungen geleistet. Das Vermögenswachstum von 39.947 Euro ist alleine durch den Zinseszinseffekt über den langen Anlagezeitraum entstanden. Je kürzer der Zeitraum, desto geringer der Effekt. 

Aus dem Grund empfehlen viele Wirtschaftswissenschaftler einen frühzeitigen Start mit der Geldanlage. Je nach Anlageklasse wirst du andere Renditen erzielen. Die 7,4 Prozent sind außerdem keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Je nach Einstiegszeitpunkt und Anlagezeitraum sind auch niedrigere Renditen bzw. Verluste möglich gewesen.

Je früher du anfängst, desto mehr Zeit gibst du deinem Vermögen zu wachsen. Es kann sich lohnen, rechtzeitig anzufangen, um deine Sparleistung zu erhöhen. Darüber hinaus kannst du dein Geld in verschiedene Anlageklassen investieren, um potenzielle Risiken breiter zu streuen. Aber Vorsicht ist geboten, garantiert ist dies in keinem Fall. Achte dabei immer darauf, dass du nicht mehr Risiken eingehst, als du im worst-case vertragen kannst. Gerade Investments an der Börse, in digitale Assets (NFTs, Kryptowährungen etc.), Rohstoffe oder Immobilien sind mit hohen Ausfallrisiken verbunden. Totalverluste sind keine Seltenheit. 

Denke daran, einen ausreichend großen Puffer für Notfälle, z.B. auf einem Tagesgeldkonto, aufzubauen, um im Zweifel auf finanzielle Mittel zurückgreifen zu können.

Nutze die Zeit zum lernen

Zeit ist unter anderem deshalb so wertvoll, weil sie dir die Chance gibt zu lernen. Keiner von uns kann die Zukunft vorhersagen. Du wirst Anlagefehler begehen und das ist auch gut so. Fehler sind nicht schlimm, wenn wir aus ihnen lernen und an den Erfahrungen wachsen. André Kostolany hat einst behauptet, dass 90 Prozent aller Entscheidungen an der Börse auf reiner Psychologie basieren.

Geld ist ein äußerst emotionales Thema. Angst, Gier und übermäßige Vorsicht sind Haupttreiber für Anlageentscheidungen. Übervorsichtige Menschen tendieren dazu, ihr Geldvermögen auf dem Sparbuch zu allokieren. Beim aktuellen Zins- und Inflationsniveau verlieren sie dadurch effektiv über 4 Prozent pro Jahr an Kaufkraft.

Je mehr Zeit du hast, desto mehr Möglichkeiten hast du dich als Anleger kennenzulernen. Finde heraus, wie viel Risiko du vertragen kannst. Finde heraus, welche Asset Allocation am besten zu dir passt. Und finde heraus, ob du zu den aktiven oder passiven Anlegern gehören möchtest.

Je länger der Anlagehorizont, desto geringer das Risiko?

Ganz so einfach ist die Aussage nicht: Je länger du investiert bleibst, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass du eine turbulente Börsenphase überstehst. Du hast nämlich mehr Zeit, um auf Kurserholungen zu warten. Wer nur mit einem kurzen Anlagehorizont an die Börse geht, riskiert hingegen, dass der gewünschte Ausstiegszeitpunkt auf schlechtes Börsenwetter trifft. Historisch betrachtet waren Anleger mit langen Haltedauern erfolgreicher als Anleger mit nur kurzem Atem. Die nachfolgende Grafik zum Renditedreieck des MSCI-World bestätigt die Aussage.

Die Zahlen in der Nähe der langen Diagonalen gehören zu den kurzen Anlagezeiträumen. Je weiter runter du dich bewegst, desto grüner werden die Felder. Das bedeutet gleichzeitig, dass längere Anlagezeiträume eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine positive Rendite bieten. Ob das in Zukunft genauso gilt, ist möglich - aber nicht sicher.

Die lange Haltedauer ist u.a. auch eines der häufig propagierten Vorteile von Private Equity. Anleger werden durch die langen Fristen zum Halten “diszipliniert” und unterliegen demnach nicht ihren Impulsen, sollte es an den öffentlichen Märkten einmal krachen. Dafür verlieren sie dadurch auch an Flexibilität. Außerdem bedeutet eine Marktkrise nicht, dass PE-Unternehmen ausgeschlossen sind. Auch sie haben z.B. in Zeiten von Covid-19 starke Einbuße erlitten. Dennoch zeigen Langzeitstudien, dass Private Equity im Hinblick auf die Performance, in den vergangenen Jahren besser abschnitt als der öffentliche Markt.

Fazit

Ein früher Einstieg lohnt sich. Nicht nur finanziell, auch mental. Wer früh eine Routine aufbaut, agiert disziplinierter. Das Rentenniveau soll bis 2050 auf 43 Prozent sinken. Junge Menschen sollten sich demnach frühzeitig um ihre private Altersvorsorge kümmern. Alleine auf die gesetzliche Vorsorge zu setzen, reicht in Anbetracht der besorgniserregenden Statistiken nicht aus.

Vermögensaufbau ist auf verschiedene Art und Weisen möglich. Von Aktien bis hin zu Immobilien und Private Equity stehen dir unzählige Asset Klassen zur Verfügung. Wichtig ist nicht nur die Zeit, sondern vor allem, dass du Chancen und Risiken in deinem Portfolio in Einklang bringst. Gerade bei Aktien, Private Equity und Immobilien sind Totalausfälle eine reale Möglichkeit.

Carlos Link-Arad
Carlos baut als SEO-Berater und Content Creator die Learning Lounge bei Tokenstreet mit auf. In der Fintech-Branche ist er seit Jahren mit den Schwerpunkten Personal Finance & Digitale Assets aktiv und hat als Autor bereits für führende deutsche Wirtschaftsmagazine wie Business Insider, extraETF und BTC-Echo geschrieben.
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FAQ

Bei den FAQs finden sie definitionen oder Erklärungen zu sehr spezifischen Begriffen in diesem Themen Bereich.
Was ist der Zinseszinseffekt?

Der Zinseszinseffekt beschreibt die Entwicklung deines Kapitals, wenn sich dieses im Ablauf der Zeit immer wieder selbst verzinst. Bei einem Investment von 100 Euro erhältst du im kommenden Jahr (5 Prozent jährlicher Zins) 105 Euro zurück. Im darauffolgenden Jahr erhältst du nicht 110 Euro, sondern 110,25 Euro. Die 0,25 Euro basieren auf dem Zinseszinseffekt. Ohne würdest du “nur” 110 Euro erhalten.

Soll ich bereits im Studium investieren?

Es kommt ganz auf deine Finanzsituation an. Hast du am Ende des Monats immer Geld übrig? Dann kannst du dieses anlegen, solange du darauf verzichten kannst. Es besteht bei der Geldanlage nämlich immer die Gefahr, dass deine Investments an Wert verlieren.

Investieren mit wenig Geld - lohnt sich das?

Zeit ist wichtiger, als der Betrag, den du investierst. Auch 25 Euro pro Monat können sich - bei einer entsprechenden Rendite - zu einem beträchtlichen Betrag entwickeln. Je höher deine Sparquote, desto stärker wirkt sich der Zinseszinseffekt aus. Pflicht ist eine hohe Sparsumme hingegen nie.