Investieren lernen
 • 
8 min
 • 
6.5.2022

Venture Capital vs. Private Equity: Unterschiede im Überblick

Venture Capital und Private Equity werden häufig synonym verwendet - dabei weisen beide Finanzierungsformen zahlreiche Unterschiede auf. Liegt der Fokus bei einem Modell auf jungen Wachstumsunternehmen, verschiebt sich dieser im nächsten Modell auf etablierte Unternehmen des gehobenen Mittelstands. Im nachfolgenden Beitrag werden wir einen detaillierten Blick auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten werfen. Außerdem zeigen wir dir, worauf du bei deiner Asset Allocation achten solltest, wenn du ein Investment in Venture Capital oder Private Equity planst.

Carlos Link-Arad

Venture Capital vs. Private Equity: Unterschiede

Private Equity (PE) bezeichnet außerbörsliches Beteiligungskapital, das in (üblicherweise) bereits etablierte Unternehmen fließt. Oft gehören diese dem gehobenen Mittelstand an. Zu den prominentesten Beispielen aus Deutschland gehören z.B. Fielmann (Brillenhersteller) oder FlixBus (Mobilität). Außerbörslich bedeutet in dem Kontext, dass die Anteile an den jeweiligen Unternehmen nicht an der Börse notiert sind. Im Vergleich zu Venture Capital erfolgt die Finanzierung mit PE prinzipiell im Rahmen einer einzigen Transaktion. Bei Venture Capital sind unterschiedliche Finanzierungsrunden (Seed/Early Stage) gängige Praxis.

Auch die Art der Finanzierung weicht voneinander ab. Während Venture Capital Investoren auf Eigenkapital zurückgreifen, setzen PE-Investoren hohe Anteile an Fremdkapital mit ein, um die Eigenkapitalrendite zu erhöhen (sog. Leverage-Effekt). Das Fremdkapital wird meistens mit dem Vermögen des Zielunternehmens besichert, was mit nicht zu unterschätzenden Risiken behaftet ist. Die Tilgung des Kredits erfolgt mit dem Cash-Flow des Zielunternehmens. Bei einer Venture Capital Finanzierung fließt das eingenommene Kapital in die Kapitalrücklagen des erworbenen Unternehmens.

Wie bereits erwähnt, fokussieren sich PE-Gesellschaften auf etablierte Unternehmen - üblicherweise aus dem gehobenen Mittelstand. PE-Manager achten - gerade im Hinblick auf die Verpflichtungen des Fremdkapitals -  darauf, dass Beteiligungswerte über einen gesunden Cash-Flow, eine starke Marktposition und ein geringes Risiko des Totalverlustes verfügen. Gesichert ist das jedoch nie. Venture Capital ist im Gegensatz dazu eine Finanzierungsform für jüngere Unternehmen in der Aufbau- oder Wachstumsphase. Sie setzt mit oder kurz nach der Gründungsphase ein. Das Wachstumspotenzial ist - gerade am Anfang - größer als bei einer PE-Beteiligung, aber auch risikoreicher. Die meisten Startups befinden sich noch in der Produktentwicklungsphase und haben sich am Markt noch nicht bewährt. Aus dem Grund wird Venture Capital häufig auch als Risiko- oder Wagniskapital bezeichnet. Es handelt sich in den meisten Fällen um innovative und technisch orientierte Unternehmen.

Schließlich streben PE-Manager eine Mehrheitsbeteiligung an Unternehmen an, um Restrukturierungsprojekte mit mehr Kontrolle zu bewerkstelligen. Das gibt ihnen mehr Einfluss auf die Unternehmensleitung. Venture Capital Investoren hingegen streben grundsätzlich eine Minderheitsbeteiligung am Startup an. Gewisse Kontroll- und Mitspracherechte bei strategischen Entscheidungen werden individuell vereinbart, das Steuern des Unternehmens soll jedoch beim Gründerteam bleiben.

Gemeinsamkeiten zwischen VC und PE

Sowohl Private Equity Investoren als auch Venture Capital Investoren gehören zur Gruppe der Finanzinvestoren. Sie sind prinzipiell als Fonds ausgestaltet - d.h. sie sammeln Gelder von externen Investoren ein, bündeln sie im Fonds und beteiligen sich mit diesem Kapital an Unternehmen. Hauptargument für ein Investment ist das Renditepotenzial, das Investoren in einem bestimmten Unternehmen sehen.

Ziel einer Beteiligung ist in beiden Fällen ein Exit - also ein profitabler Verkauf der erworbenen Anteile oder auch ein Börsengang (IPO). Folglich ist auch klar, dass es sich nicht um ein langfristiges Engagement handelt, sondern ein Investment auf Zeit. In dem Kontext gibt es gerade bei Venture Capital häufige Ausnahmen, in denen ein Investor ein strategisches Interesse an der Beteiligung hat. Das kann z.B. dann vorkommen, wenn eine bestimmte Technologie für das eigene Unternehmen interessant ist. Durch das Investment soll ein Wettbewerbsvorteil realisiert werden.

Auch die Identifikation und Bewertung der Unternehmen ähnelt sich in vielen Punkten. Vor einer rechtlich wirksamen Beteiligung, durchlaufen sämtliche Investments einen sogenannten Due-Diligence-Prozess, um den “theoretischen” Beteiligungswert zu errechnen. Venture Capital Investoren müssen bei der Unternehmensbewertung auf mehr Prognosen setzen, da junge Unternehmen keine greifbaren Geschäftszahlen (z.B. Bilanzen, Lageberichte, Kennzahlen) mit einer gewissen Historie vorweisen können. 

Welche Rolle spielen die Asset Klassen für Anleger?

Sowohl Private Equity als auch Venture Capital sind Asset Klassen, zu denen Kleinanleger bislang weder direkten noch indirekten Zugang hatten. Zum Anlegerkreis gehörten bis dato große institutionelle Investoren (Versicherungen, Rentenkassen etc.), Family Offices und vermögende Privatpersonen. Die finanziellen Hürden sind enorm. In Deutschland sind Anlagebeträge ab 200.000 Euro notwendig, um Private Equity als Baustein im eigenen Portfolio zu nutzen.

Wir möchten diesen Status-Quo herausfordern und haben aus dem Grund eine App entwickelt, mit der Kleinanleger ab 100 Euro mittelbar in Private Equity und Venture Capital Fonds investieren können. 

Ob ein Investment für dich sinnvoll ist, ist von deinem Risikoprofil abhängig. Studien zeigen, dass Private Equity ein besseres Risiko-Rendite-Profil aufweist, als klassische Börsenwerte. Aus dem Gesichtspunkt der Diversifikation ist das ein großer Vorteil. Nichtsdestotrotz sollten die Risiken beider Anlageklassen niemals außer Acht gelassen werden. Sowohl Private Equity als auch Venture Capital können zum Totalverlust deines Kapitals führen. Wir führen zwar umfangreiche Due-Diligence-Prüfungen durch, Risiken können wir jedoch nicht vollständig eliminieren.

Fazit

Venture Capital und Private Equity haben viele Gemeinsamkeiten, aber auch fundamentale Unterschiede. In beiden Fällen planen Investoren langfristige Überrenditen und eine gewisse Form von Einfluss auf die jeweiligen Unternehmen. 

Während Private Equity auf etablierte Mittelständler setzt, fokussieren sich Venture Capital Investoren auf junge Unternehmen in der Gründungs- oder Wachstumsphase. Kleinanleger sollten sich dieser Charakteristika bewusst werden, da sie einen hohen Einfluss auf das Risiko eines Investments haben. 

Venture Capital birgt aufgrund der noch nicht existierenden Marktreife ein größeres Anlagerisiko. Auch bei Private Equity sind die Verlustrisiken nicht zu unterschätzen. Dennoch sind diese aufgrund der teilweise soliden Marktstellung der Zielunternehmen weniger stark ausgeprägt als bei jungen Startups. Beide Finanzierungsformen bergen ein signifikantes Risiko für Totalausfälle, was Anlegern nur selten bekannt ist, da gerne mit Erfolgsstorys geworben wird.

Carlos Link-Arad
Carlos baut als SEO-Berater und Content Creator die Learning Lounge bei Tokenstreet mit auf. In der Fintech-Branche ist er seit Jahren mit den Schwerpunkten Personal Finance & Digitale Assets aktiv und hat als Autor bereits für führende deutsche Wirtschaftsmagazine wie Business Insider, extraETF und BTC-Echo geschrieben.
Diesen Artikel teilen

Interessante Artikel

FAQ

Bei den FAQs finden sie definitionen oder Erklärungen zu sehr spezifischen Begriffen in diesem Themen Bereich.
No items found.