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3.3.2022

Was ist Private Equity? Definition | Vor- und Nachteile

Im nachfolgenden Beitrag zeigen wir euch, was Private Equity ist, wie es funktioniert und auf welche Chancen und Risiken ihr euch einstellen müsst. Vor allem erfahrt ihr aber, wie ihr in Zukunft von dieser Anlageklasse profitieren könnt.

Carlos Link-Arad

Was ist Private Equity? Definition | Vor- und Nachteile (2022)

Als Privatanleger hast du sicherlich schon einmal von Private Equity gehört, nicht wahr? Erfolgsstories wie die von Facebook, Airbnb oder Uber wären ohne externe Kapitalgeber niemals realisiert worden. Wer sich an der positiven Wertentwicklung von solchen Unternehmen beteiligen möchte, kann neben Aktien in etablierte Unternehmen investieren, die nicht börsennotiert sind - und das bevor die Unternehmen milliardenschwer sind. 

Im nachfolgenden Beitrag zeigen wir euch, was Private Equity überhaupt ist, wie es funktioniert und auf welche Chancen und Risiken ihr euch einstellen müsst. Vor allem erfahrt ihr aber, wie ihr in Zukunft von dieser Anlageklasse profitieren könnt.

Was ist Private Equity?

Mit Private Equity (PE) werden außerbörsliche Beteiligungen in Unternehmen bezeichnet. Große institutionelle Investoren  - wie beispielsweise Versicherungen, Banken oder Pensionskassen - allokieren bereits seit Jahrzehnten eine signifikante Portion ihrer liquiden Mittel in Private Equity. Grob zusammengefasst werden Unternehmen gekauft, deren Marktwert über finanzielle, operative und strategische Maßnahmen gesteigert werden soll. Private Equity Gesellschaften setzen dafür eigens ausgebildete Branchenexperten in den entsprechenden Unternehmen ein. 

Die in Private-Equity-Fonds enthaltenen Unternehmen gehören überwiegend zum Mittelstand. Viele bekannte deutsche Unternehmen nutzen PE als Finanzierungsform: Fielmann, Rossmann, Tom Taylor, MTU oder FlixMobility (Muttergesellschaft von FlixBus) sind nur einige prominente Beispiele. Ein Börsengang (IPO) ist nach einer PE-Beteiligung nicht ausgeschlossen. Studien zeigen jedoch, dass der Unternehmenswert vor dem IPO tendenziell schneller wächst als in der Zeit danach - dazu gleich mehr. Für Privatanleger ist das bislang eine traurige Erkenntnis gewesen, da es für sie aufgrund der hohen Einstiegshürden nicht möglich ist, diese Investitionen selbst zu tätigen. Das könnte sich bald ändern.

Bevor wir über die Chancen und Risiken von privatem Beteiligungskapital sprechen, lasst uns kurz einmal auf die Funktionsweise eines Private Equity Fonds blicken.

Was sind Private Equity Fonds?

Bevor sich eine Private Equity Gesellschaft an Unternehmen beteiligen kann, muss sie dafür eine Art “Fundraising” betreiben und Geld bei institutionellen oder hochvermögenden Privatanlegern einsammeln. Das Gesamtkapital wird anschließend in einen Fonds zusammengeführt. Der Fonds wird dann geschlossen, sobald die zuvor anvisierte Kapitalmenge erreicht wurde. Geschlossen bedeutet in diesem Kontext, dass der Fonds keine weiteren Gelder mehr aufnimmt.

Die Laufzeit eines Fonds beträgt in der Regel zwischen zehn und zwölf Jahren. Der Zeitraum lässt sich in drei Phasen unterteilen. In der ersten Phase erfolgt ein Marktscreening: Die PE-Gesellschaft identifiziert potenzielle Beteiligungswerte, die dem Investmentfokus des Fonds entsprechen und führt Bewertungen durch, um die Eignung zu prüfen. Der Schwerpunkt eines PE-Fonds kann auf bestimmten Branchen, Wachstumsphasen oder auch Regionen liegen. 

Nach der Beteiligung beginnt die zweite Phase des Fonds. Ziel ist es, den Wert des Unternehmens schnell zu steigern. Dafür setzen Beteiligungsgesellschaften auf interne Teams aus Branchenexperten, die in Zusammenarbeit mit dem Management der Beteiligung wertsteigernde Maßnahmen einleiten und vorantreiben. Oft handelt es sich hierbei um Effizienz- oder Internationalisierungsprojekte. Damit sollte auch klar sein, dass Private- Equity-Fonds eine wesentlich aktivere Rolle in der Unternehmensentwicklung einnehmen, als Aktienfonds. Dort beschränkt sich der Einfluss auf die Stimmabgabe bei der jährlichen Hauptversammlung.

Private Equity Gesellschaften verfolgen das Ziel, ihre Beteiligungen gewinnbringend zu verkaufen. Die dritte Phase ist die sogenannte Exit-Phase. In diesem Zeitraum wird der Verkauf des Unternehmens vorbereitet. Eine Möglichkeit zum Verkauf der Anteile ist der Börsengang. Alle zuvor privat gehandelten Unternehmensanteile werden ab sofort öffentlich am Kapitalmarkt angeboten. Bislang ist das auch der Zeitpunkt gewesen, ab dem Privatanleger investieren können. Fielmann hat sich beispielsweise für einen IPO entschieden.

Eine weitere Option ist der “Buy-Back”. In diesem Fall erwerben die Gründer oder Mitgesellschafter des Unternehmens die Unternehmensanteile zurück, um ihre Beteiligung am Unternehmen zu erhöhen. Oft erfolgt diese Form des Rückkaufs unter hohem Einsatz an Fremdkapital.

In manchen Fällen werden die Anteile auch an einen Wettbewerber verkauft (sog. “Trade-Sale”). Darüberhinaus existieren viele weitere Exit-Optionen, auf die PE-Gesellschaften zurückgreifen können.

Chancen und Risiken im Überblick

Historische betrachtet, haben PE-Investoren Renditen erzielt, die über der Performance des globalen Aktienmarktes lagen. Dafür müssen Anleger in Kauf nehmen, dass ihr angelegtes Kapital eine gewisse Zeit lang gebunden ist. Ein typischer Fonds hat eine Laufzeit von etwa zehn bis zwölf Jahren. Wer sein Kapital früher abzieht, muss mit hohen Abschlägen rechnen, die einen Großteil der Rendite schmälern. Was zunächst nachteilig wirkt, kann sich als signifikanter Vorteil erweisen. Eine lange Haltedauer reduziert bei der Geldanlage das Verlustrisiko. 

Dazu einmal ein Beispiel: Laut einer Analyse der Renditeverteilung des MSCI-World, der die Wertentwicklung der 1.600 größten Unternehmen (nach Marktkapitalisierung) aus 23 Industrieländern zusammenfasst, haben Anleger, die seit seiner Auflage in den 70er Jahren investiert haben, immer eine positive Rendite erzielt, wenn sie mindestens 15 Jahre investiert waren. Je länger der Anlagehorizont, desto geringer die Verlustwahrscheinlichkeit. 

Mit Private Equity unterliegen Anleger nicht dem Risiko, bei starken Marktschwankungen impulsiv zu reagieren und ihre Portfolios ständig anzupassen. Von diesem Hin-und-Her profitieren am klassischen Kapitalmarkt nämlich nur die Broker, denn sie kassieren bei jeder Transaktion, die ihre Kunden durchführen, Gebühren.

Private Equity kann zudem ein wertvoller Baustein im Portfolio sein, indem es dem Kleinanleger eine weitere Möglichkeit zur Diversifikation bietet, die aufgrund der verringerten Korrelation von PE zum öffentlichen Markt (Börse) entsteht. Aufgrund der aktiven Rolle der PE-Gesellschaften bei ihren Beteiligungsunternehmen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Krisen besser gemeistert werden. Im Notfall erhalten Unternehmen in Krisenphasen zusätzliche finanzielle und strategische Unterstützung. Das gilt natürlich nicht für jede PE-Gesellschaft.

Wichtiger Hinweis: Anleger müssen sich allerdings auch der Risiken von Private Equity bewusst werden. Oft stellt sich erst nach einer Investition heraus, dass ein Geschäftsmodell nicht tragfähig ist. Je nach Gewichtung im Fonds, kann ein derartiger Fall die Gesamtrendite erheblich senken oder zum Totalverlust führen. PE-Fonds versuchen derartige Klumpenrisiken durch eine breite Streuung zu vermeiden. Eliminiert werden kann ein Ausfallrisiko jedoch nie. Auch ist die hohe Kapitalbindung nicht immer von Vorteil, da Anleger in diesem Fall der Willkür der PE-Manager ausgesetzt sind. Nicht alle Entscheidungen dienen dem langfristigen Wohl einer Beteiligung. Mitarbeiterkündigungen gehören zu den Maßnahmen, die oft ergriffen werden, um kurzfristig Kosten zu sparen.

Unterschied zum klassischen Aktienfonds

Auch wenn es sich in beiden Fällen um Fonds handelt, haben Aktienfonds und Private-Equity-Fonds praktisch keine Gemeinsamkeiten. Beide Modelle verfolgen das Ziel, eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen. Aktienfondsmanager üben hingegen keinen aktiven Einfluss auf die Unternehmensleitung ihrer Beteiligungen aus. Der Einfluss beschränkt sich - wenn überhaupt - auf die Ausübung der Stimmrechte bei der Hauptversammlung. Relevante Entscheidungen des Managements müssen im Zweifel hingenommen werden. 

Fondsmanager einer PE-Gesellschaft beschäftigen sich zwar mit wesentlich weniger Firmen, dafür umso intensiver. Sie verbringen Jahre mit den Beteiligungsunternehmen und stehen im regen Austausch mit dem Management. Die Unternehmensentwicklung kann von ihnen aktiv gesteuert werden, während Aktienfondsmanager darauf setzen müssen, dass ihre Bewertungsmodelle aufgehen.

Auch hier gilt jedoch zu beachten, dass die aktive Komponente nicht immer ein Vorteil ist. Es kommt vor, dass PE-Gesellschaften unnachhaltige Entscheidungen treffen, um kurzfristige Wertsteigerungen (z.B. durch Kosteneinsparungen) für ihre Investoren zu erzielen. Für den langfristigen Unternehmenserfolg kann (muss aber nicht) das von Nachteil sein. Anleger können ihre Investments weder aktiv steuern noch umschichten.

Private Equity vs Venture Capital

Private Equity wird häufig mit Venture Capital (auch Wagnis- oder Risikokapital) verwechselt, obwohl zwischen den beiden Beteiligungsformen große Unterschiede liegen. Die zentralen Unterschied liegen in der Lebensphase der Beteiligungen, der Investitionssummen und der Anteile. Private Equity setzt z.B. auf bereits etablierte Unternehmen. Häufig handelt es sich dabei um Mittelständler. Die Investitionssummen pro Beteiligungen sind demnach höher, dafür sinkt auch das Verlustrisiko.

Venture Capital setzt auf Unternehmen in Wachstumsphasen. Oft befinden sich diese sogar noch in der Produktentwicklung und haben noch keine Kundenbasis. Diese Start-ups arbeiten an der Fertigstellung ihrer Produkte oder Dienstleistungen. Da sie im Normalfall nicht auf eigene Finanzmittel setzen (oder diese nicht haben), sind sie auf externes Kapital angewiesen, um das Unternehmen langfristig aus eigener Umsatzkraft zu tragen. 

Venture Capital Investitionen führen meistens zu einer Minderheitsbeteiligung, während Private Equity Gesellschaften üblicherweise eine Mehrheitsbeteiligung am Zielunternehmen anvisieren.

Unternehmenswerte entstehen oft vor dem IPO

Seit dem IPO von Facebook im Mai 2012 haben Anleger über 740 Prozent (Stand: 02/2022 - eigene Berechnungen) an Rendite erzielt. Das sind 25 Prozent pro Jahr - erstaunlich, wenn man bedenkt, dass der globale Aktienmarkt (MSCI-World) in diesem Zeitraum um knapp acht Prozent pro Jahr gewachsen ist. Peter Thiel hat ein paar Monate nach der Gründung von Facebook 500.000 US-Dollar investiert. Die Firmenbewertung lag zu dem Zeitpunkt bei 5 Millionen US-Dollar. Im Mai 2012 (Pre-IPO) lag die Bewertung bei 104 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einer Wertsteigerung von 20.800 Prozent im Vergleich zu +740 Prozent nach dem IPO.

Die Divergenz ist kein Zufall. Viele andere Unternehmen wie beispielsweise Airbnb, Uber, Beyond Meat, Netflix oder Coinbase haben einen Großteil ihres Unternehmenswertes als außerbörsliches Unternehmen aufgebaut.

Quellen für Infografik zu Pre- und Post-IPO Wachstum: 
Amazon: https://bit.ly/3CckvBf
Google: https://bit.ly/3HAXusN
Facebook: https://bit.ly/3sCUiZm
AirBnB: https://bit.ly/3vBtKKe


Für wen eignet sich PE als Anlageklasse?

In der Theorie ist Private Equity eine Anlageklasse, die gerade von institutionellen Investoren und hochvermögenden Privatanlegern (HNWIs) genutzt wird. In den letzten Jahrzehnten lagen die durchschnittlichen Renditen über der Entwicklung des globalen Aktienmarktes. Die langen Kapitalbindungsfristen (bis zu 12 Jahren) können für emotionale Anleger zum Vorteil sein, da sie impulsive Reaktionen auf Börsenereignisse verhindern. Andererseits ist man als Anleger von den Handlungen der Fondsmanager abhängig (die nicht immer im Sinne der Unternehmen sind) und kann nur mit großen Abschlägen das eigene Kapital vorzeitig abziehen.

Trotz der Vorteile plädieren wir - wie immer - zu einer breiten Diversifikation. Private Equity bietet attraktive Renditemöglichkeiten, beherbergt aber auch Investitionsrisiken, die im Worst-Case mit einem Totalverlust einhergehen. Unternehmen können aufgrund von Nachfrageverschiebungen oder fehlerhafter Maßnahmen der PE-Manager in Schieflagen geraten. In solchen Fällen kann ein PE-Fonds liquidiert werden. Anleger erhalten dann einen Anteil der Erlöse entsprechend ihrer Investments.

Carlos Link-Arad
Carlos baut als SEO-Berater und Content Creator die Learning Lounge bei Tokenstreet mit auf. In der Fintech-Branche ist er seit Jahren mit den Schwerpunkten Personal Finance & Digitale Assets aktiv und hat als Autor bereits für führende deutsche Wirtschaftsmagazine wie Business Insider, extraETF und BTC-Echo geschrieben.
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FAQ

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Mit einem Investment bei tokenstreet erwirbst Du eine tokenisierte Inhaberschuldverschreibung (kurz "tokenisierte Anleihe" oder auch digitales Wertpapier), die tokenstreet Zweckgesellschaft begeben wird. Den Netto-Emissionserlös dieser Anleihe investiert die eigens dafür gegründete Gesellschaft als Limited Partner in Venture Capital-Fonds. Von dort wird das Anlegerkapital in europäische Unternehmen investiert.

Wichtig: Bevor die Gesellschaft gegründet wird ist bereits klar, in welche Fonds das Geld fließen wird.

Weitere Bedingungen

Es gibt eine Vielzahl von Bedingungen und Konditionen, die wir bei der Bewertung eines Fonds berücksichtigen. Unter anderem achten wir darauf, dass die Bedingungen transparent sind und eine weitgehende Übereinstimmung der Interessen zwischen dem Fondsmanager und den Investoren herstellen.